Showbiz&AG

30. Juli 2008 Mahdi

Ich habe heute im Radio von Angelika Express gehört, die ihr neues Album nach dem Shareholder-Prinzip finanzieren wollen. Sie haben das von einer anderen Band abgeschaut, die Idee klingt auch richtig super, Fans und Musiker bestimmen was geht und nicht die bösen Plattenkonzerne, blabla etc.

Diggy Dave Dempsey hat gemeint, dass die Jungs sich lieber einen Schlagzeuger besorgen sollten, weil sie das eher brauchen. Den suchen sie laut Homepage aber auch.

Was mich eher wundert, ist was die Jungs jetzt überhaupt damit vorhaben? Glauben sie, dass ihre Fans sehr viel mehr Ahnung haben werden als ihr Plattenlabel oder sonstwer und eben der Durschnittsfan unter ihrer Anleitung auch das Ding schon schaukeln wird? Gut..Viel Glück Jungs!

Oder wissen die Jungs, dass ihre Fans eh keine Ahnung haben und daher sie diesmal die Fans über den Tisch ziehen können, im Gegensatz zu den Plattenfirmen, die sie und die Fans verarschen?

Eine andere Frage ist auch, wie das mit dem CD Verkauf gehen soll. Ich nehme jetzt nicht an, dass die Jungs eine Fanbasis von 1 Million haben und sie mit ca. 2 Million verkauften Tonträgern rechnen. Die Richtung wird wohl eher, realistisch-optimistisch gesehen, gegen 50000 gehen. Sagen wir, dass von den 50000 ca. 1200 Aktienbesitzer sind und die eher erwarten, dass sie das Album im Aktienpreis von 50 Euro enthalten ist. Was bleibt dann noch übrig? Vor allem, wieviel Stimmrecht haben dann die Fans ähhm, Shareholders? Z.B. könnte ein reicher DonDon mit viel Geld das ganze Album, oder einen gewichtigen Teil der Aktien, aufkaufen, alle Bandmitglieder feuern, sie durch Don Corleone Dans Mon Quartier, Don Ash Still Making Johnny Ohne Cash und Don Jack De Johnette von den Glencrackers ersetzen und Boogie Woogie machen. Ich verstehe eben den Sinn und Zweck nicht auf eine Plattenfirma zu verzichten und Fans entscheiden zu lassen was geschehen soll. Wo bleibt hier die künstlerische Freiheit, wo liegt hier der Unterschied zu einem Plattenvertrag mit einem Major, oder ist das eh wurst?

Zu ihrer Verteidigung und meinem Mangel an Information und dem “Wahrscheinlich wissen sie es besser und ich habe keine Ahnung” planen sie noch das genaue Konzept und es ist noch nicht wirlklich draussen, sondern nur die Idee. Also sollte man vielleicht besser abwarten.

Warum sie es aber nicht einfacher machen und den Radiohead Weg gehen, oder meinetwegen den von Saul Williams, wo sie ein im Prinzip Gratisalbum bereit stellen, wo man aber, wenn man möchte, verstehe ich jetzt nicht unbedingt. Dadurch verlieren sie nämlich nicht ein Prozent an künstlerischer Freiheit und der Vertrieb geht auch um einiges einfacher, mal abgesehen davon, dass sie eh schon Nummern von ihrem Album gratis zum download bereit gestellt haben und es eh schon egal wäre.

Aber warum einfach wenn es auch kompliziert geht und mehr oder weniger dasselbe dabei heraus kommt?

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10 Reaktionen zu “Showbiz&AG”
  1. dreaven3

    Du scheinst den Sinn nicht verstanden zu haben, denn man finanziert das Album mit und erhält demzufolge auch eine CD.

    Künstlerische Mitbetätigung gibt es nicht und soll es auch nicht geben.

  2. Mahdi

    also die fans finanzieren das album und wenn sonst noch wer das album kauft, dann kriegen sie was dafür. habe ich es jetzt richtig verstanden? gut..viel glück. dann ist es aber kein shareholder-prinzip mehr, denn wenn man aktienbesitzer ist, hat man normalerweise gewisses mitspracherecht beim unternehmen.

  3. chrlz

    als “aktionär” würd ich mir zumindest eine gewisse transparenz wünschen. das konzept dafür muss gut sein.

    nett wäre z.b. ein counter auf der website … jedesmal wenn ein album über den ladentisch wandert. ;) ;)

  4. mettphonic

    vielleicht will man sich damit auch nir abheben von bereits vorhandenen versionen ala radiohead u.ä.
    wer weiss
    eigentlich ne nette idee aber wenn es wirklich darum geht viele leute nabhängig zu erreichen würde ich auch den weg von radiohead oder den von scenario und sidestreets vorziehen!

  5. Manuva

    du hast recht, da sind wirklich eine menge fragen offen. und dieser begriff “shareholder” ist mir auch nicht sonderlich sympatisch, nicht nur deshalb, weil er ständig falsche assoziationen hervorruft. und wenn ich ehrlich bin, glaube ich, dass die schätzung mit 5.000 sogenannten shareholdern sehr optimistisch ist, auch wenn AE diese wirklich vergönnt wären. trotzdem alle dem bin ich sehr für das ausspinnen solcher neuen ideen, auch wenn von solchen prinzipien immer nur etablierte bands profitieren.

  6. mahdi

    ja klar..neue ideen sind wirklich gut und wichtig, da es derzeit mit den problemen der musikindustrie usw. wirklich schwer ist sich zu etablieren und von musik zu leben, als jüngerer künstler zumindest. daher wäre es jetzt als neuer oder underground oder sonstwas künstler wichtig sich einen neuen weg des vertriebs und dem erreichen des publikums fernab von labels auszudenken. nur ist das prinzip eher geld sammeln für ein album als in ein projekt investieren, da nur vom albenverkauf nach den derzeitigen zahlen eher kein geld für die fans reinkommen kann.
    wenn man aber jetzt z.b. ein label mit fans gründen würde, die fans sich auch irgendwie organisieren könnten, einen repräsentanten stellen usw. und das jetzt weiter geht als nur ein album, dann wäre es wirklich interessant und was neues.

  7. Emma

    Die Tranparenz wird es ja über den Vertrieb geben. Grundsätzlich weiss ich nicht einmal, ob man ein Album bekommen sollte, wenn ich ‘ne VW-Aktie kaufe, bekomme ich ja auch kein Auto. Aber wenn VW viele Autos verkauft, steigt der Wert meiner Aktie, gelt? Will ich aber auch einen VW haben, was bei mir eher unwahrscheinlich ist, aber mal angenommen, so muss ich ihn mir selber kaufen. Also, wenn AE Gold geht, kann man was verdienen, werden nur 15000 Platten verkauft, so hätte man vielleicht 45 000 verdient, demnach kann natürlich auch immer noch jeder mitverdienen. Ist doch ne faire Sache. Hier geht es ja nicht um Spenden, sondern ums Investieren. und Shareholder, sind eben Teilhaber, je nach Investition. So einfach, oder? So wie ich Robert kenne, wird er alle Vertriebswege ausschöpfen, und physisch soll es das Album ja schon auch geben und nicht nur zum Download. Zudem bezüglich der Plattenlabels, so sind doch alle mittlerweile auf 360 Grad Deals aus und können aber die 360 Grad Ebene gar nicht ausreichend beackern. Und da sich die Labels nix Neues einfallen lassen, so ist es doch gut, wenn die Künstler das tun.

  8. mahdi

    ich habe das prospekt von der einen band(morton valence), von dessen model sich AE inspiriert haben, bekommen.
    die rechnen damit, dass sie 30000 Pfund eintreiben wollen für Albumproduktion und Kosten, sie 100 “Aktien” zu 300 Pfund jeweils verkaufen wollen und ab 10000 verkauften Alben, sind die Einnahmen für die, die gezahlt haben, wieder drinnen, da an allen einnahmen zu 25% die Band verdient und zu 75% die, die gezahlt haben.

    Klingt alles interessant..vor allem sagen die auch, dass ein gewisses Risiko bei der ganzen Sache dabei ist. Wenn das ganze erfolgreich endet, dann kann es tatsächlich ein interessanter neuer Weg sein. Wenn nicht, dann haben halt einige Fans zu viel für ein Album bezahlt.

  9. Manuva

    gibts das prospekt irgendow zum downloaden? oder kannst es mir bitte mailen? thx

  10. Next Level

    [...] habe hier mal angedeutet, dass ich die Idee mit Fans unterstützen eine Band mit Spenden weniger geil [...]

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