5 Gedanken zu #Egypt

12. Februar 2011 Mahdi

1) Mir geht wirklich nichts wirklich mehr am Oasch, und ich muss mich da jedes Mal zurück halten, wenn die Diskussion um Ägypten Richtung “Urlaub” läuft, sei es jetzt wegen einem Zwischenstopp dort oder wegen dem Urlaub in Sharm el Sheikh. Ich würde da gerne jedes Mal auszucken, aber Ort und Leute lassen das nicht zu.

2) Ägypten ist nicht ganz Tunesien, ist gar nicht Libyen und Marokko, ist leider nicht Iran etc. Auch wenn jetzt oft versucht wird einen Kamm zu scheren, ist nicht, sollte eher klar sein. Beeindruckend aber wie schnell das ging in Ägypten. Vor 2 Monaten hätte eher niemand mit sowas gerechnet.

3) Noch viel beeindruckender wie schnell Obama und die USA auf die Ereignisse reagiert haben und noch viel mehr beeindruckender wie Planlos Europa war. Europa weiss noch immer nicht was sie wollen oder machen wollen, die USA haben die Zeichen schon davor erkannt und Mubarak auf die Idee eines Demokratisierungsprozesses gebracht und jetzt dann voll auf ihn geschissen. Das war grosses Kino und sie werden wohl hoffentlich aus den Fehlern von 79 gelernt haben. Ich habe die Tage auch Dinge über die USA gehört betreff klarer Worte, dass sie nicht mehr bedeutend sind, blabla…Fakt ist eher, dass hier die USA ganz ganz gross auf der richtigen Seite der Geschichte waren und wenn das alles in 10 Jahren gut geht, dann wird sich auch Teil der Obama Legacy sein, die auch erst in 10 Jahren wirklich messbar sein wird.

4) 79…es gibt gewisse Parallelen, aber es ist nicht ganz dasselbe. Ich sehe keine religiöse Figur vorne, die irgendwas leiten soll. Es gibt keine Parteien, bei den Demos gibt es keine Kundgebungen und Beteuerungen zum Islam. Es sollte sich aber hoffentlich bald 8 Leute finden, die aus persönlichem Interesse kapieren sollten, dass Ägypten eine normale Regierung braucht und sie teil der Geschichte Ägyptens ein könnten, was bei knapp 5000 Jahren immerhin was ist und die Gunst nützen.

5) Islamisten…ich lehne mich raus und sage, dass sie keine Gefahr darstellen werden aus einem eher einfachen Grund: Ägypten wäre ohne Tourismus innerhalb von 1 Jahr Pleite. Die Einnahmen aus dem Tourismus sind bei 11.6 Milliarden Dollar, ca. 10% des BIP und dabei wird nicht berechnet was da in anderen Industrien noch daran verdient wird. Insofern könnte keine Regierung ohne Tourismus auskommen und eine islamistische Regierung geht daher nicht, mal abgesehen davon, dass keiner in Ägypten unter den Demonstranten wegen dem sich irgendwie interessiert. Insofern…was solls? und wir wissen aus Scarface, money and power etc.

Das ist jetzt ein kurzer Gedankengang von mir zu dem Thema als jemand der so ungefähr aus dem Eck kommt und aus einem Land kommt, in dem ähnliche Events öfters passieren und der irgendwie bei der Sache nicht wirklich emotional wird, sondern versucht zu sehen was, warum und wie etc.

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3 Reaktionen zu “5 Gedanken zu #Egypt”
  1. toxiclemon

    nur ein einwurf - das allein der tourismus garant dafür sein soll, dass es keinen weiteren gottesstaat geben wird, teile ich nicht. auch andere streng islamische staaten setzen auf tourismus (z.B. saudi-arabien) und haben die sharia in geltung.

    und was ich so gelesen habe (die zeit, standard, spiegel, sz), gibt es in schon starke fundamentale strömungen in der ägyptischen gesellschaft, die nicht ohne sind.

    vielen dank für die interessante erörterung!

  2. Mahdi

    Saudi Arabien hat Tourismus dank Mekka und Medina und die ganzen Leute, die auf Hadj fahren. Sonst haben die eher keine Touristen. Mir fällt jetzt keine religiöse Stätte in Ägypten ein.

    Es gibt sicher fundamentale Strömungen in Ägypten und in 5-6 Jahren könnten die schon gefährlich werden wenn es schief läuft, aber die die derzeit protestieren, haben eher damit nichts zu tun und die müssen das ganze jetzt in die richtige Richtung tragen. Wenn das mal schief läuft, können wir über Islamisten reden. Was und für wen irgendwelche Leute wählen, die Ahmadinejad Bilder am Handy haben, weiss ich nicht, aber da wäre es auch wichtig für gemässigte und liberale Parteien für diese Klientele die richtigen Worte und Leute zu finden.
    Ägypten hat auch keine grossartigen Bodenschätze oder sonstwas wie der Iran oder Libyen, dass es in einer Paria Situation länger aushalten könnte. Wenn jemand in Ägypten aber Öl finden sollte, dann würde ich mir Sorgen machen.

  3. listen-geck

    ich teile die ansicht aber befürchte zeitgleich das sie bevölkerung “unruhig” wird wenn sich nicht schnell besserungen einstellen. das ist das problem, bei (diesen) tiefsitzenden strukturellen problemen, der aktuellen demographie und grassierender (ahaha was für ein wortspiel) korruption findet sich nur allzugern ein demagoge/populist der ungebildete anzieht und das ausnutzt. ich hoffe ägypten krempelt die ärmel hoch und bewältigt diese mammutaufgabe erfolgreich - ich wünsche es ihnen und hoffe aufs beste.

    alhamdulellah

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