Spotified

22. November 2011 Mahdi

Ich versuche mal einen Gegenentwurf zum Timelinewahnsinn von ein paar Leuten(keine Leute in meinem näheren Freundeskreis um es festzuhalten) und dem allgemeinen Stress der läuft weil Spotify so böse ist und so wenig die Einnahmen mit Musikern teilt. Ich sage im Vorraus, dass ich weder Musiker bin, noch im Musikbiz arbeite, noch sonstwas. Ich bin eher Konsument. Daher habe ich auch echt keine Ahnung wie die Musikindustrie wirklich funktioniert, aber ich habe gewisse Erfahrungen gesammelt wie Industrie im allgemeinen funktioniert und ich nehme die Musikindustrie mit rein in das Prinzip wie ein Business funktioniert. Das ganze läuft auf 3 grössere Themen hinaus. Musikbusiness ist derzeit ein vollkommen anderes Business als noch vor 8 Jahren, doch dies ist leider in jeder Branche so und insofern muss man sich an die neuen Gegebenheiten besser anpassen. Weinen bringt nichts und die Schwermut und Weinerlichkeit wegen “Das ist nicht fair” ist genauso lächerlich.

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Im Endeffekt kommt es genau darauf hinaus was die Einnahmen betrifft. Zwar hat Spotify kein echtes Monopol auf Online Streaming von Musik, doch es läuft derzeit anscheinend von allen Programmen am besten und ist quasi Monopolist. Insofern kann Spotify eben durch seine quasi Monopolposition Artists genau das zahlen was es will und es ist immer mehr als 0, nämlich genau das was sie von Youtube Streams oder sonstiges bekommen, oder wenn Leute Songs von Mediafire und Hulkshare runterladen. Mal abgesehen davon, stellt Spotify eben auch die Software und Technologie zur Verfügung und solange es keine bessere Alternative gibt, oder keine Alternative die so gepusht wird von den Musikilluminaten, wird Spotify es nicht anders machen. Warum auch? Sich darüber aufregen, dass sie nicht teilen und nicht transparent sind, ist eher fad und weinerlich und als kleiner Artist von einem Independent Label darauf verzichten nicht auf Spotify zu sein, ist sowieso eher dumm, worauf ich später kommen werde und wenn Coldplay z.b. darauf verzichten, ok, whatever, müssen alle damit leben. Ich glaube auch nicht, dass alle Artists sich zusammen vereinen und von Spotify runter gehen und die Labels mitziehen und was weiss ich. Daher ist es z.b. Spotify recht egal was Coldplay macht. Das Problem hier ist eine Art Paradox des Chainstore Paradox, wobei auch hier mit den 3 Selten’schen Entscheidungsregeln ein anderer Weg gefunden werden kann, aber sich darüber aufregen, dass ein quasi Monopolist und Marktführer den Preis, der noch immer höher ist als alles andere, selber vorgibt, ehrlich?

Preaching to the Choir

Wozu dient Spotify eigentlich? Es gibt Leute, die tatsächlich Musik mögen. Ich würde mich zu der Kategorie zählen. Ich könnte Musik nicht wirklich als solches Online Streaming Ding leiden können, selbst mit einem Premium Account und was weiss ich. Zumindest kann ich es mir bis jetzt nicht wirklich vorstellen. Musik, die ich wirklich mag, lad ich mir noch immer von iTunes oder kriege es geschenkt, zumindest von Freunden deren Musik ich mag. Musik die ich halbert mag und wo ich denke, dass der Typ eh schon mehr als genug verdient, hol ich mir vom Lastwagen. Ich würde auch behaupten, dass ich im letzten Jahr in meinem Freundeskreis das meiste Geld für Musik ausgegeben habe. Insofern bietet mir Spotify als Musikalternative nicht viel. Ich nehme an, dass es vielen DJs und anderen ähnlich gehen wird. Ich glaube zumindest nicht, dass in nächster Zeit irgendein DJ in Wien mit Spotify auflegt. Ich habe Spotify in der Woche nur benützt um Lieder, die ich nicht am Laptop habe, anzuhören, weil mir Youtube zu deppat ist, oder mir das Pac Div Album anzuhören um zu wissen wie es ist(ziemlich gut eigentlich). Sonst? Und ja, ich weiss, es gibt die Möglichkeit irgendwie halbschwindlig die Musik offline verfügbar zu machen, aber da fehlt es mir dann an Plattformunabhängigkeit, ich kann es meiner Schwester z.b. nicht wirklich geben, ich kann es nicht auf CD brennen für das Autoradio oder als Mixtape CD(ja, ich weiss, AUX Kabel) etc. insofern ist das (derzeit noch) recht uninteressant, vor allem für Leute die Musik mögen.

Dann gibt es Leute, die Musik aus Prinzip nur runterladen. Gut, die können einem auch wurst sein. Da macht Spotify keinen Unterschied.

Die dritte Gruppe sind Gelegenheitsmusikhörer, das Publikum das Ö3 oder sonstiges hört, kein wirkliches Interesse an Musik hat und wenn dann an Majors interessiert ist. Leute die wahrscheinlich sogar ein iTunes Account haben und noch immer CDs kaufen. Gut, whatever. Der wird sich wahrscheinlich auch das Spotify Premium Paket checken. Aber wenn ich z.b. Florian Konzert bin oder Brenk bin, dann ist mir der Typ doch scheiss egal, oder? Der wird meine Musik eh nicht hören und wenn dann wird er es eher über Spotify zu hören kriegen als sonstwo. Insofern, was solls? Ob jetzt Drake und Will.I.Am weniger verdienen wenn 100000 Leute ihre Musik auf Spotify hören statt sie zu kaufen, ist mir eher scheiss egal.

Für Leute die Musik mögen, ist Spotify genau das. Eine Möglichkeit neue Tracks zu hören, Musik zu “entdecken”, Leuten im Freundeskreis mitteilen was man hört, blabla. Es funktioniert besser als Youtube clips und ich nehme an, dass Spotify auch das Ende von Youtube Parties sein wird. Death of Youtube DJ, moment of silence. Sonst? Glaubt irgendwer der ernsthaft Musik hört und sich mit Musik beschäftigt ehrlich, dass das Ding eine wirkliche Alternative zu Musik kaufen ist, selbst wenn ich das Premium Paket um 9.99 habe, wo ich Playlisten offline habe und was weiss ich? Da auch nur ca. 1-2 Millionen der Benützer das Premium Paket haben, kann ich bis zu einem gewissen Grad auch verstehen, dass derzeit wenig geteilt wird, da man irgendwie auch die Gratishörer finanzieren muss(wäre es ein reiner Bezahldienst, dann wären die Einnahmen von Spotify wahrscheinlich mehr und sie würden wahrscheinlich auch nicht mehr weiter geben, weil sie ja das Monopol haben, nur würde ich dann die Kritik eventuell mehr verstehen und wahrscheinlich hätte Spotify dann auch weniger Benützer).

Above the Clouds

Da das speichern von und zugreifen auf Daten immer mehr Richtung Cloud geht, ist es jetzt nicht sehr verwunderlich, dass dies jetzt auch bei Musik geschieht. Die Idee nach einer Flatrate für Musik wurde in den letzten 8 Jahren immer wieder angesprochen. Spotify liefert das derzeit bis zu einem gewissen Grad. iTunes hat mit iTunes Match eine Möglichkeit geschaffen, dass man auf seine gesamte Musiksammlung um 25$ pro Jahr zugreifen kann. iTunes wird daher meiner Meinung nach in nächster Zeit auch ein Konzept auf den Markt bringen, das sich in Richtung Spotify und Flatrate für Musik bewegt. Simfy und Grooveshark und wie sie alle heissen bieten das auch. Nur ist Spotify eben derzeit in Führung. Hier ist das Problem das Spotify hat: Jedes Unternehmen muss irgendwie Knedel machen. Wenn ein Unternehmen in einem Bereich das Quasi-Monopol hat, dann kann es eben soviel verlangen wie es will. Wenn Spotify jedoch ein reiner Bezahldienst wäre, dann hätte es weniger Bekanntheit, Popularität und sonstwas und würde dementsprechend von einem Unternehmen, das sowas ähnliches wie Spotify anbietet, nur eben gratis, überrundet werden. So lange das ganze nicht wirklich super etabliert ist, wird es nicht viel anders laufen. Sobald Spotify den iTunes Status erreicht hat, kann ich nicht wirklich garantieren, dass sie fairer teilen werden, aber zumindest würden sich dann durch Konkurrenten eher Möglichkeiten ergeben gegen Spotify und dem Monopol zu kämpfen.

Unter den derzeitigen Gegebenheiten, der derzeit herrschenden Krise in der Musikindustrie, bleibt Musikern und den Beteiligten nur das übrig, was derzeit viele durchmachen müssen..viel gratis Arbeit, wenig Einnahmen, Hoffnung auf bessere Zeiten, schauen, dass man den Job nicht verliert, Job suchen, etc. and so on und trotz allem die paar Möglichkeiten, die Spotify und Gratismusik im Netz bieten, unbedingt nützen.

Say My Name

Denn im Endeffekt geht es derzeit nicht anders als den eigenen Namen verkaufen, eine Fanbase schaffen, auf Einnahmen durch Konzerte und Collabos mit major players hoffen und dann eventuell ein Album raus bringen, das soviel verkaufen wird wie seinerzeit das Channel Live Album, wenn man sehr viel Glück hat, aber dennoch den Zyklus in Gang setzt, womit man eventuell als Musiker leben und arbeiten kann. Daher ist es für einen angehenden Musiker eher wurst was Spotify an Tantiemen zahlt, sollte es zumindest, da es eher Zukunftsmusik ist und er derzeit eh quasi gar nichts bis 0 verdient und das musik-kaufende Publikum wird weiterhin Musik kaufen, oder eben auch nicht. Ausserdem kommt meines Wissens eh kein unsigned hype auf Spotify, insofern, ähm…ja. Wenn ich ein Independent Artist bin und glaube, dass Leute weniger Musik kaufen, weil sie es auf Spotify hören können, dann sollte ich mir das gut überlegen und eventuell irgendwelche Studenten zu einem Projekt einladen und eine Umfrage und Recherche starten, bevor ich den Stecker ziehe. Ansonsten ist Spotify trotz allem eher eine Chance als ein wirkliches Problem und dass sie derzeit nicht teilen und gemein zu Musikern sind, kommt mit dem Territorium. Insofern, embrace it! Wenn man mal wirklich viele Plays auf Spotify hat, dann sollte man eh dankbar sein, weil dann weiss man, dass man es geschafft hat. So lange man nicht viele Plays auf Spotify hat und sich darüber aufregt, dass man kein Geld von den paar Plays bekommt, ist es eher ein wenig mühsam darüber zu diskutieren und sinnlos seine Zeit damit zu beschäftigen sich darüber aufzuregen. Am Ende des Tages ist der Weg derzeit sehr sehr steinig, läuft über gratis Beattapes, viel Arbeit usw., eben der Weg der Generation Praktikum, mit vielen scheiss Praktika hier und da bis man irgendwann einen oken Job hat, oder auch nicht. It’s 2011 not 1994.

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5 Reaktionen zu “Spotified”
  1. Joe Zehtener

    TL:DR

  2. Mahdi

    Ist ok. Bei der Anzahl an Leserbriefen und Social Media campaigning bei euch ;) j/k

  3. Joe Zehtener

    Muahahahaha! Wart mal kurz, ich muss auf Facebook schnell 1000 Friends ankaufen, bin gleich wieder da! (btw hab ich den Artikel eh gelesen, er war mir nur etwas zu lang)

  4. Mahdi

    hehe…passt schon…. ;)

  5. nina

    dankedankedanke. spot on.

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