RUN VIE | Day 2 | 04.10.2010
Copyriot - Diskussions-Panel
@ Crom

3. Oktober 2010 RUN VIE

UPATE:

wir starten mit dem panel und dem stream um 16.30 h!!

http://www.ustream.tv/channel/wientv

„Wir diskutieren nicht mit Piraten“. Diese Grundeinstellung darf man per se nicht allen Vertretern der Musikindustrie unterstellen, jedoch diente sie einigen Personen in der Tat als Grund zur Absage, um nicht an dem von uns organisierten Copyriot-Panel im Rahmen von RUN VIE am kommenden Montag teilzunehmen. Diese Grundhaltung ist bereits bekannt und wurde schon einmal heftig diskutiert, als Marco Schreuder im vergangen August zu einer Diskussion zum Thema „Kunst im digitalen Zeitalter“ lud.

Wie kann es sein, dass nach Jahren permanenter Umsatzrückgänge, Teile der Musikwirtschaft noch immer eine Gesprächsverweigerung an den Tag legen und jegliche Diskussion verweigert? Oder ist es nicht gerade diese Haltung, die die Musikindustrie genau in diese Situation gebracht hat? Spannende Fragen. Aber es werden bei weitem nicht die einzigen Fragen sein, mit denen sich die eingeladenen Gäste und auch das Publikum am kommenden Montag, den 4.10.2010 im Crom ab 16.30 h beschäftigen werden.

RUN VIE und Die Grünen Wien laden zu einer Diskussionsrunde mit Vertretern aus Industrie, Politik, Webkultur und Musikszene zum Thema Copyrights im 21. Jahrhundert, sowie alternativen Lizenz-, Verrechnungs- oder Flatrate-Modellen. Neben dem Thema „illegale Downloads“ interessieren uns vor allem zukünftige Entwicklungen und die Möglichkeiten, die sich daraus für Labels und auch Künstler ergeben. Wie reagieren die handelnden Personen, Unternehmen aber auch die Politik auf die sich verändernden Rahmenbedingungen?

Zu Gast werden sein:

Hannes Tschürtz, Gründer der Musikagentur [ink], Labelchef von Schoenwetter

Walter Gröbchen, Monkey Music

Christian Marin, Landesvorstand Piraten Partei Österreich

Marco Schreuder, Gemeinderat und Landtagsabgeordneter der Grünen Wien

Das gesamte Panel wird ab 16.30 h sowohl auf wientv.org, als auch der Homepage der Wiener Grünen gestreamt. So wird es auch Möglich sein, via E-Mail und Chat in die Diskussion einzugreifen und Fragen an die Teilnehmenden Personen zu stellen.

Alle Fakten auf einen Blick:

COPYRIOT

Beginn um 16:30 h
im Crom
Mariahilferstrasse 101, 1060 Wien

Eintritt frei!

4 Reaktionen zu “RUN VIE | Day 2 | 04.10.2010
Copyriot - Diskussions-Panel
@ Crom”
  1. Mahdi

    die musikindustrie in ihrer alten form ist gestorben und vollkommen sinnlos. es muss doch irgendwelche trottel mit irgendeinem MBA bei irgendwelchen labels geben, die auf irgendeiner drecks vorlesung irgendwas von schumpeter und “creative destruction” gehört haben. wozu wird noch immer an dem scheiss festgehalten? gibts alles nimma! so wie man in den 80ern durch alben und konzerte und merchandise geld verdient hat, geht nicht mehr. die technologie heutzutage ist eine vollkommen andere als damals. man hatte 10 jahre zeit sich darauf vorzubereiten und stattdessen bringt man noch immer cds raus, obwohl man nirgends mehr bei elektroketten discman oder sonstwas kaufen kann, obwohl niemand mehr cds kauft, obwohl Dr.Dre mittlerweile auf Alben machen scheisst und lieber Kopfhörer rausbringt, mit denen MP3s angeblich gut klingen, damit er irgendwie doch an MP3s kassiert. dieses sinnlose künstliche festhalten an irgendwas, diese vollkommen unökonomische verurteilung gegen leute die einfach nur am sogenannten freien markt den billigsten anbieter wählen und ihre eigene auszahlung maximieren…ich mein, so lange labels vom markt profit machen, ist es gut, sobald der konsument profit macht eher nicht?
    und dann kommen irgendwelche geilen musiker auf die idee sich von fans die albenproduktion bezahlen zu lassen und verkaufen das als irgendwas mit aktien…grossartig…das löst das problem.

    man kann immer einem alkoholiker noch mehr alkohol geben…ob es sinnvoll ist, weiss ich nicht…genau sowas macht man aber in der musikindustrie. mag hart klingen, aber der preis von alben und musik muss sich am niedrigsten preis orientieren und der ist eben 0.

    kein musiker wird in zukunft sich an irgendwelchen kasperln in den 80ern orientieren können, oder an die 90er. musiker müssen viel mehr selber wege finden um selber als quasi (dienstleistungs)unternehmen arbeiten zu können. man kann natürlich auch zu irgendwelchen grösseren labels gehen, sollte sich dann aber eher nicht über 360 deals oder sonstwas beschweren, denn das muss man dann in kauf nehmen.

    die musikindustrie muss in den nächsten 10 jahren vollkommen über den kopf geworfen werden, eventuell durch zerschlagung der 4 grossen labels, die jeglichen fortschritt durch ihre oligopol stellung sowieso blockieren und jeder kommende musiker muss sich anders orientieren, seinen eigenen plan finden und den durchsetzen, weil das was wir heute erleben, hat es noch nie gegeben und insofern ist am meisten innovation gefragt. irgendeine sinnlose diskussion um kommerz oder nicht kommerz hat sich sowieso erledigt. für kommende musiker werden “stücke” in zukunft nur visitenkarten, portfolios oder sonstwas sein, für zukünftige arbeiten(irgendwelche sachen/kooperationen mit politik, wirtschaft, unternehmen etc.oder eine der verbleibenden cash cows in der musik). wem das alles nicht taugt und es scheisse findet…ja..dann halt nicht.

    insofern ist eine diskussion um illegale downloads vollkommen sinnlos, weil a) was man nicht stoppen kann, kann man nicht stoppen b) man sollte der wirtschaftlichen und technologischen evolution nicht den weg versperren c) vollkommen unökonomisch für alle parteien. stattdessen sollte man nur darüber diskutieren, wie alle beteiligten(industrie,politik,szene etc.) eine für alle beteiligten optimale lösung finden, dass es sich für irgendwen noch auszahlt musik zu machen…weil ohne musik gehts auch nicht und sie(bzw. unterhaltung im allgemeinen) liegt im interesse der beteiligten.

  2. Manuva

    ich geb dir recht. wie unflexibel und träge die grossen companies auf die entwicklungen agiert haben, zweigt vor allem, wie lange es gedauert hat, bis man downloadplattformen etablieren konnte. selbst itunes war ihnen zu beginn nicht geheuer, was vor allem an der angst um einbusen der marktvorherrschaft geht. das copyrightsystem wurde und wird immer noch dazu missbraucht, um marktanteile zu schützen. wenn “der markt” die grossen player nicht dazu gezwungen hätte, würde es wohl immer noch keine funktionierenden downloadplattformen geben.

    die frage ist doch im grunde, wie sieht die optimale lösung aus? wie komme ich als musiker an geld? und da stellt sich vor allem die frage: mit wem arbeite ich zusammen? wem gebe ich wieviel vom kuchen? und da sieht es bis weilen so aus, dass am ende des tages immer noch mehr geld in der kasse bleibt, wenn man sein musikalisches schaffen kostenlos anbietet, als wenn man mit einer entertainment-firma ala sony, emi, etc. zusammenarbeitet. denn dort gehen auf dem weg vom verkauften mp3 zum künstler ca 85 % der einnahmen verloren. wenn nicht mehr.

    eines kommt im übrigem erschwerend zu dieser diskussion hinzu: selbst die grossen verwertungsgesellschaften haben völlig unterschiedliche abrechnungsmehtoden und -systeme und arbeiten selbst in europa nicht koordiniert zusammen.

    zu viele spieler in einem spiel, dass sich zu schnell verändert. auf der strecke bleibt nicht der konsument, sondern der künstler.

  3. Mahdi

    das problem ist eben, dass es keine optimale lösung derzeit gibt. es ist einfach ein trial and error verfahren gerade, bis sich eine idee etabliert, die sich dann eben optimal durchsetzt. Es ist die Zeit der “destruktion” alter Modelle auf der Suche nach neuen und das geht immer nur mit “Forschung”. wir sehen das z.b. beim film und filmverleih. blockbuster ist pleite gegangen, die netflix aktie hat sich in den letzten 4 Jahren jedoch trotz Wirtschaftskrise verdreifacht und hat einen Börsenwert von 8.5 Mrd Dollar. die Idee netflix hat sich ohne einschränkungen durchgesetzt weil sie es eben verstanden haben Verleih und Internet zu verknüpfen und die Idee war zumindest ganz gut. Das alte Blockbuster Modell ist ausgestorben. Es wird jedoch vereinzelt Nischenvideotheken geben, da Netflix wahrscheinlich keinen Bock hat rumänische Filme im Katalog zu halten.
    In der Musik gibt es derzeit keinen richtigen Weg, es ist eine Zeit der “forschung” wenn man so will und der Versuche. Einige Versuche werden schief gehen, einige Ideen werden gut sein, nur noch nicht in der richtigen Zeit, andere Ideen sind schwachsinn, da sie sich einfach an das geschäft bis 2000 halten.
    Die Musikindustrie, Kunst hin oder her, ist im Endeffekt eine Industrie wie jede andere und muss sich eben den Gesetzen von anderen Industrien anpassen. Falls man Musik und Film offiziell oder inoffiziell als öffentliches Gut ausgibt, dann müssen sich eben auch Politik, Musiker und Industrie der neuen Realität beugen. Falls man Musik weiter im freien Markt betreiben will, so muss man die Zeit einfach nur damit verplanen möglichst viele möglichst innovative Modelle auszuprobieren, bis eben ein Modell dann passt.
    Es sind meiner Meinung nicht mal zu viele Spieler im Spiel, es sind einfach zu viele unnötige Schritte und Bürokratische Wege und Punkte, die man durchmachen muss in der Musik, von Verwertungsgesellschaften bis sonstwas. Deswegen gehen auch, wie du sagst, 85% der Einnahmen verloren. Würde es mehrere Spieler im Musikbusiness geben, sagen wir mal statt der 4 grossen Labels 20 mittlere, so würden sowohl kurz als auch langfristig Innovationen im Musikbusiness eher entstehen, die die am Kuchen verdienen, wären mehr im Wettbewerb und müssten ihre Preise reduzieren und wahrscheinlich würden auf allen Seiten, Konsumenten, Künstler, Industrie davon verdienen.

    Die Chance von kleineren unabhängigen Künstlern und Labels wäre eine lose Kooperation, sei es im regionalen oder überregionalen Rahmen zu schaffen, sei es zum Verkauf, Publishing was weiss ich, um einerseits ein Gewicht gegen grössere zu haben ohne die Eigenständigkeit zu verlieren, andererseits damit weniger vom Kuchen verloren geht und mehr beim Künstler bleibt. Die jetzige Zeit wäre die Chance für unabhängige Labels einfach Modelle auszuprobieren mit nach Möglichkeit überschaubarem Rahmen, um zu sehen wie es funktioniert, einfach ein freier Ideenaustausch. Es wären Ausgaben, die man sowieso machen muss. Weniger als jetzt kann man wahrscheinlich eh nicht verdienen.

  4. wonderer

    Ich habe mir gerade die Argumente von Herrn Dr. Müller durchgelesen und kann sie sogar teilweise nachvollziehen. Aber diese Gesprächsverweigerung ist wohl genau die flascheste Reaktion auf eine Einladung. Wenn man eine Meinung vertitt - egal ob im Privatleben, oder wie Herr Müller als Lobbyist - MUSS man diese vertreten. Vor wem auch immer. Was passiert? Der “ausgegrenzte” Gesprächspartner kann auf Märtyrertum setzen. Und somit ist jegliche objektive Bewertung passe. HC setzt im übrigen auf genau dieses Märtyrersyndrom. Jahrelang hat man nicht mit ihm geredet, anstatt ihm gandenlos den Blödsinn zu zerlegen, den er verzappft. Und noch was: Hr. Müller verkörpert mit seiner Haltung den Grund des Scheiterns dieser Industrie.

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